#19: Schäfers Qualen
“Spannend wie Arne Dahl, emotional wie Fred Vargas und abgedreht wie Wolf Haas. ” So endet der Klappentext von “Schäfers Qualen“, einem Kriminalroman aus dem Haymon Verlag. Puh, dachte ich, ein Vergleich mit Arne Dahl, das ist aber gewagt.
Aber dieser Krimi kann sich durchaus damit messen. Natürlich ist Tirol nicht Schweden, aber auch die tiroler Eigenarten machen dieses Buch lesenswert. Mit einem Eispickel wird ein Unternehmer erschlagen und an ein Gipfelkreuz gehängt, ein zweiter brutaler Mord geschieht. Das beschauliche Kitzbühl wird Schauplatz von allerhand Verbrechen und mittendrin ein Polizeimajor, der in seine Heimatstadt zurückkehrt und nicht nur mit den Morden, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat.
Hier läuft nicht alles rund, aber genau das lässt die Seiten nur so vorbeifliegen und das Lesen zum Genuß werden. Wer also mal wieder einen guten Krimi lesen möchte, der ausnahmsweise mal nicht in Skandinavien spielt, der ist mit “Schäfers Qualen” sehr gut aufgehoben.
Die Zeit rast
und rast und irgendwie vergehen die Tage, ohne Zeit zum Innehalten übrig zu lassen. Gestern sagte ich es ungläubig, ich kann mich an keine Zeit in meinem Leben erinnern, die so voller “erste Male” steckt, wie die Jetzt-Zeit. Beruflich geht alles mit großen Schritten nach vorne und ich freue mich, dort angekommen zu sein, wo ich hinwollte. Und das eher, als erwartet. Erneut kann ich auch ein Buch in den Händen halten, auf dem zwar mein Name nicht auf dem Titel steht, jedoch auf der Titelei. Und im Inneren. Und überhaupt. Mein Name in einem Buch von einem Autor, dessen Namen manchen Menschen bald Tränen in die Augen treibt. Und es war wieder August, als das Buch erschien, genauso wie letztes Jahr. Diesmal also eine Veröffentlichung im Fachbuchbereich, davor ja Sachbuch, was kommt nun nächsten August? Ich bin gespannt.
Privat steht die Zeit im Zeichen der Gadgetisierung. Ich treibe mich auf Konferenzen herum und unterstütze zum ersten Mal jemand anderes aktiv beim Schreibprozess. Ein seltsames Gefühl, abends nicht selbst im Arbeitszimmer zu sitzen und zu schreiben, sondern jemand schreiben hören. Und Ende November wird es ein weiteres erstes Mal geben. Und überhaupt. Erste Male sind unterbewertet.
Kaum ist der Koffer ausgepackt…
geht es schon wieder los. Die Wäsche ist kaum schon wieder gewaschen, Berlin noch nicht richtig verdaut. Schön wars, aufregend. Und anstrengend. Viel Neues, aber auch endlich wieder Vertrautes. Ein liebes Gesicht, das mir gefehlt hat.
Unterm Schreibtisch steht schon eine andere Reisetasche. Nach der Arbeit gehts los mit dem Regionalexpress Richtung OWL. Ein Wochenende im Grünen, mit den Liebsten. Ein Wochenende, das trotz Aufregung und Beschäftigung beruhigend wirkt - schon vorher. Ich freu mich. Auf Schaschlik und Freunde, Familie und liebe Worte und Geschichten, Martini im Garten und den weiten, grünen Blick.
Und nächstes Wochenende wird wieder ein Koffer gepackt. Nach Seckbach gehts. Und ich bin gespannt, wie es sein wird. Im Moment fühlt es sich nach Jugendfreizeit an.
Der Koffer steht bereit.
Der Seewind ist längst vergangen, der Kopf hängt ihm noch hinterher, doch findet sich in der Wirklichkeit noch ab und an ein Plätzchen Ruhe im Trubel. Am Wochenende war es der Flohmarktbesuch, der sich zum Tagesausflug mauserte und das Gefühl, am Sonntag was Gutes getan zu haben, als Stadtführer in der eigenen Stadt. Ein seltsam anmutendes Gefühl allerdings, wenn die Augen, die einen zwar anschauen und zu deren zugehörigen Ohren man spricht, die Sprache, die meinen Mund verlassen, nicht verstehen. Ein Dolmetscher war zwar vorhanden, doch das seltsame Gefühl, nicht zu wissen, was von meinen Worten übrig bleibt, war mir nicht nur neu, sondern auch nicht besonders behaglich.
Der Koffer ist gepackt, morgen gehts in aller Frühe nach Berlin. Die ersten Tage beruflich, die letzten dann rein privat und zu meinem großen Vergnügen. Ein paar Tage mit dem großen Griechen sind lang ersehnt und dass es nun doch letztlich ziemlich schnell und plötzlich ging - ein Grund mehr zur Freude. Ebenso freu ich mich, dass eine Sache in trockenen Tüchern ist, die mir auf dem Herzen lag und dass auch die Schreibarbeit abgegeben ist.
Noch bleibt Schweigen auf meiner Seite, bald vielleicht mehr, Eindrücke von Berlin, das in gewisser Hinsicht eine Herausforderung ist und auf der anderen Seite so gar nicht, obwohl mir genau davor zig mal Glück gewünscht wurde. Die Gewissheit, dass mir die letzten Jahre schlußendlich die Sicherheit gegeben haben, dass es für jede Situation eine oder mehrere Lösungen gibt, wird mir auch hier weiterhelfen. Und was dann kommt, werden wir sehen.
Genugtuung
Viel Arbeit stand an in den letzten Monat, nicht nur tags-, sondern auch nachtsüber. Tiefe Befriedigung bringt dann, dass das Projekt für den Grimme Online Award nominiert ist. Jetzt muss es nur noch gewinnen. Da heisst es Daumendrücken.
Da wir aber urlaubsreif sind, und zwar ziemlich, haben wir gestern kurzentschlossen für nächste Woche Urlaub eingereicht und fahren ans Meer. Hotel ist gebucht - und kein schlechtes, ganz im Gegenteil - und dann werden wir uns den Wind um die Nase wehen lassen und uns wieder ein bißchen erden. Ich freu mich.
Mainacht
In letzter Zeit läuft mein Privatleben zunehmend analog - im Gegensatz zum Arbeitsleben, das immer digitaler wird.
Mittlerweile gehören HTML und CSS ganz selbstverständlich dazu, sogar PHP und JavaScript manchmal.
Das ich mich auch ganz ohne Weiteres mit anderen über Virtualisierungstechniken oder Iteratoren unterhalten kann,
nennt manch einer nerdig, andere wiederum verschmitzt sexy.
Tatsache ist, das Privatleben kommt momentan eindeutig zu kurz. Nicht mal Emails werden daheim noch gecheckt, mein Rechner daheim seit Mitte März nicht mehr hochgefahren. Wohl deshalb habe ich auch zwei wichtige Mails verpasst, auf die zu antworten wichtig gewesen wäre.
Doch nun sind so viele Wochen vergangen und auf das “melde dich, falls dir das auch wichtig ist” nun noch zu antworten, ach, eine Zwickmühle. Ich werde sehen, was das Wochenende bringt.
In den letzten Wochen sind an einer Front die Wellen hochgetürmt, dass sie beinahe unbezwingbar wirkten. Doch wenn eine Firma unzuverlässig ist, dann ist es Zeit, sich davon zu trennen. Das erforderte eine Menge Kraft und Durchhaltevermögen, momentan wissen wir auch noch nicht, ob es ganz ohne Anwalt gehen wird, doch eine neue Anstellung ist gefunden und in vier Wochen sieht die Welt
schon wieder völlig anders aus. Das Wochenende wird uns Zeit zum Verschnaufen geben, Zeit, die wir dringend brauchen. Denn die Anstrengung steckt noch in den Knochen, zur Ruhe sind wir lange nicht gekommen. Die Mainacht werden wir wohl ruhig verbringen, die netten neuen Nachbarn haben uns zum Grillabend eingeladen.
Früher war Mainacht immer richtig was los, mit den Fahrrädern in den Waldbiergarten, dort ordentlich einen draufgemacht
und wenn man morgens wiederkam, stand ein Maibaum im Vorgarten. Naja. Beinah. Einmal lag er auch auf dem Briefkasten, weil ein besonders cleveres männliches Exemplar ihn mit einem Radiokabel an einem anderen Baum “festgekettet” hatte.
Mal sehen was die Nacht diesmal bringt.
angekommen
Angekommen bin ich im neuen Zuhause. Und ein richtiges Zuhause ist es geworden, schön eingerichtete 3,5 Zimmer, mitten in einer guten Stadtlage und trotzdem im Grünen, am anderen Ende der Straße ein Schloß - wir befinden uns in guter Gesellschaft.
Der Umzug war ein Kraftakt. Fünf Stockwerke runter, zwei Transporter und drei Autos und zwei Etagen später alles wieder einräumen, aufbauen. Möbel bekommen, Möbel zusammenschrauben. Schlafzimmer neu, Wohnzimmer neu, Esszimmer neu. Ich hatte bald den Eindruck, ich bekomme andauernd Möbellieferungen. Die vorerst letzte kommt übrigens morgen, ab dann sind auch Gäste jederzeit bei uns über Nacht willkommen.
Vieles ist schon ein eigener Ablauf geworden, wie ich ihn früher so nicht kannte. Und vieles kam neu hinzu, Neues, das ich nun nicht mehr missen möchte.
Freitag ist mein Geburtstag und seit langem kann ich mal wieder meine ganze Familie einladen und sie bebacken und bekochen, ist nun meine Küche ungefähr fünfmal so groß wie die alte. Ich freue mich darauf. Aber vor allem freue ich mich, dass ich angekommen bin.
Seltsame Tage - Trümmer
Seltsame Tage sind das. Lediglich im Büro herrscht normaler Wochentagszustand. Zuhause lebe ich in Kisten, koche nicht mehr, weil keinerlei Vorräte mehr da sind, denn die müssten wir ja rübertragen in die neue Wohnung. Ich schlafe nur auf meiner Matratze auf dem Boden, weil wir am Dienstag morgen um sechs den Sperrmüll raustragen mussten, aus dem fünften Stock. Seitdem kein Bett und kein Schrank mehr. Richtig gemütlich ist es bei mir in der kleinen Wohnung.
Sobald man auf die Straße geht, ein völlig anderes Bild. Die Straße ist noch im Ausnahmezustand, egal in welches Geschäft man geht, egal an welchem der vielen Grüppchen auf der Straße man entlang geht, es gibt nur ein Thema: den Einsturz. Wen wundert es, der unsichere Bereich wird immer weiter ausgedehnt, man weiß immer noch genauso wenig wie vor einer Woche. Unschuldsbeteuerungen, man habe ja nichts gewusst, natürlich nicht. Doch das hilft alles nichts. Das was hier so schockiert, ist das das Unglück in einen Privatbereich vorgedrungen ist, den man immer für sicher hielt. Natürlich sind wir uns bewusst, wenn wir uns ins Auto setzen, dass ein Unfall im Bereich des Möglichen liegt. Aber wenn man seine Wohnungstür hinter sich schließt, schließt man zu einem gewissen Teil auch die Außenwelt aus. Wenn man sich nicht einmal zuhause sicher fühlen kann, wo dann. Und wo fühlt man sich schon sicherer, als im Schlaf im eigenen Bett? Das ist das, was so schockiert. Das vermutlich zwei junge Männer im Schlaf im eigenen Bett zu Tode gekommen sind.
Mir geht das unglaublich nahe, wohl auch, weil es so nahe an mir dran ist. Die Nachrichten gestern waren zuviel für mich. Während hier ein Unglück geschieht, das Todesopfer mit sich bringt, sorgt anderswo jemand gewollt für eine hohe Anzahl von Opfern. Das ist mir unverständlich, da rebelliert nicht nur mein Herz, sondern auch mein Magen.
Noch ein paar wenige Tage, dann werd ich das Viertel, das mir immer sehr am Herzen lag und in dem ich mich zuhause fühlte, verlassen. Und ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Tag einmal herbeisehnen würde, viel eher vermisste ich es bereits, als konkrete Umzugspläne entstanden. Doch nun ist alles anders. Dieses Viertel wird sich so schnell davon nicht erholen und ich mich wohl auch nicht. Und das als nicht eimal direkt selbst Betroffene. Wie schlimm muss es dann erst den Betroffenen gehen? Es ist mir unverständlich, wie diese in ihre Anwohnerwohnungen zurückgehen können.
Viel passiert nicht in diesen Tagen, ich lenke mich ab mit Umzugsvorkehrungen. Doch heute abend werde ich einmal den Kopf freibekommen, denn ich habe gestern zwei Tickets für die Lesung von Daniel Kehlmann bei der Litcologne gewonnen. Zeit hab ich dafür eigentlich nicht, aber was solls. Positive Ablenkung ist äußerst erwünscht.
Meine Straße in Trümmern
Mitten auf dem Stephansplatz in Wien erreichte mich die Nachricht, dass sich in meiner Straße ein Unglück ereignete,
als das Kölner Stadtarchiv im Boden versank. Obwohl weit außerhalb der Gefahrenzone, klingelte das Handy nonstop,
denn Freunde und Bekannte wollten sich versichern, dass mit mir alles in Ordnung sei.
In Angst und Schrecken versetzten mich die Bilder, die ich mir aufgelöst im Fernsehen ansah und noch viel mehr,
dass ich die Menschen, nach deren Wohlbefinden ich mich erkundigen wollte, nicht erreichte.
Mittlerweile weiß ich, dass die Telefonleitungenm nur kaputt waren und mit meinen “Sorgenkindern” alles in Ordnung ist.
Als ich in Köln wieder festen Boden unter den Füßen hatte, kam ich nicht umher, mir diesen furchtbaren Trümmerhaufen, der noch in der Woche zuvor von Tausenden von Jecken durchlaufen wurde, anzuschauen. Gigantisch groß ist er, der Schuttberg. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Es sieht in den Nachrichten schon schlimm aus - aber in Natura ist es einfach nur furchtbar.
Zuhause sitze ich auf gepackten Koffern, denn nächstes Wochenende steht ja schon der Umzug an. Froh bin ich, diese Straße nun zu verlassen, denn sicher fühle ich mich dort nicht mehr. Erst recht nicht, wenn man hört, dass die bis jetzt noch vermissten jungen Männer beide im 5. Stock gewohnt haben. Natürlich zieht man dann Parallelen und weiß, dass, wenn was passiert, ich aus dem Haus auch nicht mehr lebend raus komme. Die Taschen sind gepackt. Wenn ich jetzt noch ein einziges beunruhigendes Geräusch oder eine beunruhigende Nachricht höre, schnapp ich mir meine Tasche und werde mich freiwillig zwangsevakuieren lassen zu meinen Eltern.
#18 Alois Hotschnig - Leonardos Hände
Kurt Weyrath macht sich auf die Suche nach Anna Kainz um sein Gewissen zu beruhigen. Denn der Rettungsfahrer
hätte niemals Fahrerflucht bei einem schweren Autounfall begehen dürfen, bei dem Annas Eltern starben. Auch sie ist schwer verletzt und liegt im Koma. Kurt besucht die ihm unbekannte Frau und hält Wache an ihrem Bett, immer in der Hoffnung, dass sie wieder aufwacht und zugleich in der Furcht, sie könnte in ihm den Mörder ihrer Eltern erkennen.Er malt sich aus, wer diese Anna überhaupt war und wandelt auf ihren Spuren, um ihr näher zu sein.
Leonardos Händeist kein einfacher Leseschmöker. Es ist auf eine Art experimentell geschrieben, dass es dem Leser nicht einfach fällt, den Einstieg in eine Geschichte zu finden, die sich erst am Ende als eine tatsächliche Geschichte offenbart. Erzählbruchstücke, tagebuchähnliche Notizen, Gedankengänge fordern den Leser und seine Aufmerksamkeit.
Doch schafft man den Einstieg, dann offenbart sich eine Gedankenwelt, die zum Nachdenken anregt. Intensiv und unter die Haut gehend zeigt diese Geschichte auch ein völlig anderes Ende als erwartet.



